Hat nichts mit dem Job zu tun ... fast!

Kleine Anekdoten aus unserem Alltag

Es ist Nicht das Gewicht

Ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, wie viele Menschen unzufrieden mit ihrem Körper sind? Immer wieder hört man die Aussage: „Ich bin zu dick.“ Ich würde es anders formulieren. Mein Gewicht harmoniert nicht mit meiner Masse, beziehungsweise meine Masse nicht mit meiner Körpergröße. Ich bin generell nicht mit der Kiloanzahl, die mir meine Waage anzeigt, unzufrieden, sondern mit der Verteilung. Laut Tabelle dürfte ich nämlich noch 400 Gramm mehr wiegen, aber 50 Prozent meiner Masse sammeln sich in der Körpermitte. Ich habe eben einen Astralkörper – ich sehe aus wie der Saturn.

Das ist meiner Meinung nach ein Problem der Schwerkraft, weshalb ich glücklich bin, einen Gürtel zu besitzen, denn sonst würde die Masse in die Füße rutschen und das sähe ganz komisch aus. 

Als ich das neulich meiner Frau erklärte, sagte sie mir, dass mein Problem auch gar nicht das Gewicht wäre, das sieht sie ähnlich. In ihren Augen ist es eher die Konsistenz. Wenn ich mehr Muskeln hätte, dürfte ich sogar noch mehr wiegen, schließlich wiegen Muskeln mehr als Fett. 

Ich rollte mit den Augen, denn schon wieder hatte sie etwas nicht begriffen. „Das ist kein Fett“, erklärte ich ihr und schaute in ihr fragendes Gesicht. „Das ist Muskelrohmasse. Muskeln brauchen ja etwas, aus dem sie sich bilden können. Und das ist die Muskelrohmasse.“ Sie nickte und schmunzelte. „Und wann möchtest Du diese Rohmasse bearbeiten?“ „Wenn ich das Maß erreicht habe, das ich brauche, um meinen Traumkörper zu formen“, sagte ich bestimmt. „Du backst doch auch 

 

keinen Kuchen mit nur einem Ei, wenn du eigentlich zwei bräuchtest“, fügte ich hinzu.Jetzt war das Schmunzeln in ihrem Gesicht verschwunden und ein breites Grinsen erschien. „Und wenn du die letzten 400 Gramm auf den Rippen hast, dann gehst du ins Fitnessstudio?“, wollte sie wissen.

„Noch nicht sofort“, sagte ich. „Zuerst muss ich die Muskelrohmasse an die Stellen bringen, an denen ich die Muskeln aufbauen will. Ist doch logisch. Was nützen mir 40 Kilo Bauch, wenn ich Arme haben will?“ Ihr Grinsen war jetzt kurz vor einem Lachen angelangt. „Und wie willst du das schaffen? Wie bringst du deine Rohmasse an diese Stellen?“ Jetzt witterte ich meine Chance, ihr zu verdeutlichen, welche Theorie ich verfolge. „Abends, wenn ich im Bett liege, dann schiebe ich die Rohmasse von meinem Bauch nach oben und verteile es durch heftiges Drücken in die Schultern und in die Brust. Dort muss ich es dann nur noch durch Meditation und Atemtechniken fixieren. Und wenn die Verteilung stimmt, dann gehe ich ins Fitnessstudio.“ Jetzt lachte sie.

„Was ist denn, wenn deine Theorie in der Praxis nicht funktioniert“, hakte sie nach. „Dann habe ich es bloß nicht lange genug probiert“, schloss ich das Gespräch, drehte mich um, ging mit betont kämpferischem Gang an den Kühlschrank und schob mir eine Pizza in den Ofen.

Als ich wieder ins Wohnzimmer kam, schmunzelte meine Frau wieder und sagte: „Du willst mir also sagen, du bist zufrieden mit deinem Gewicht.“ Sie hatte es eben doch verstanden.



Malen und Singen

Wenn man kleine Kinder hat, dann muss man diplomatisch sein.
Zumindest in dem, was man sagt. Schließlich muss man sich immer vor Augen führen, dass der Zwerg da vor einem erst vier Jahre alt ist und noch nicht bis 100 zählen können muss. Also verkneife ich mir mühsam das Augenrollen, wenn er jedes Mal fragt: „Was kommt nach der Vier?“ Und ich atme tief durch, um den genervten Unterton loszuwerden und antworte mit samtig weicher Stimme „Die Fünf. Das weißt du doch. Eins, zwei, drei, vier (kurze Pause) fünf.“  „Ach ja“, sagt er, doch was sich wie ein Verstehen anhört ist reines Nachäffen der Erwachsenen. Denn bei ihm ist nichts angekommen. Das merke ich nur zwei Augenblicke später, als mein Junior wieder anfängt zu zählen und nach der Vier tief Luft holt, um mich wieder zu fragen „Was kommt nach der Vier?“

Doch manchmal ist es mir nicht möglich diplomatisch mit meinem Spross zu sein. Zum Beispiel beim Malen. Neulich saßen wir nebeneinander im Kinderzimmer und schwangen Stift und Pinsel. Mein Nachwuchs kritzelte wie ein Derwisch bis das Papier riss. Dann hielt der das Werk hoch und sagte ganz stolz: „Guck mal. Das ist ein Piratenschiff.“ Ich legte den Kopf leicht schräg, kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen und betrachtete das Bild. Nach einer Minute verkündete ich mein Urteil: „Nein, ist es nicht.“

„Doch“, rief mein Sohn. Guck mal, da ist das Segel, da ist die Kanone, da ist der Kapitän, da ist das Wasser und da hinten ist eine Insel.“ Bei jedem „da“ legte er seinen Zeigefinger auf einen anderen Kringel. Ich war noch immer nicht in der Lage, Diplomatie walten zu lassen. „Das ist ein Kringel, das ist ein kleinerer Kringel, das ist ein Krackel, weil das ein Krickel ist und was das da ist, kann ich dir nicht sagen.“ Die stumpfe Wahrheit schien ihm nicht zu gefallen, denn er schaute enttäuscht, schob 

seine Unterlippe leicht nach vorne und fing leise an zu wimmern. Ich hingegen war mir keiner Schuld bewusst, als meine Frau ins Zimmer kam und mich fragte, warum ihr Sohnnun weine. „Hat sich wohl gestoßen“, vermutete ich.

Sie nahm den Kleinen auf den Schoß und schaute sich das Bild an. Ohne, dass mein Sohn ihr irgend etwas erzählte, sagte sie: „Oh toll. Ein Piratenschiff mit Kanone. Und da hinten ist eine Insel.“ Der kleine Mann in ihrem Arm begann zu strahlen und ich fiel vom Glauben ab. Lag es wirklich an mir. Ich kniff wieder die Augen zusammen, drehte den Kopf in alle möglichen Richtungen und betrachtete das vermeintliche Kunstwerk. Nichts. Ich erblickte nur Gekritzel. In der Zwischenzeit erzählte Junior seiner Mutter, dass das Schiff vom Piraten Placky Pluck gesteuert wird, der der schlimmste Pirat („Har har“) aller Meer war. Und die Insel ist Muppolien, wo er seinen Schatz versteckt hat.

Am Abend fragte ich meine Frau, wie sie die Dinge auf dem Bild habe erkennen können. „Ich stand schon zehn Minuten vor der Tür und habe euch belauscht“, verriet sie mir und wies mich dann darauf hin, dass ich meinen Sohn in seinem Tun bestärken sollte und ihm seine Fantasie lassen soll. Für uns als Eltern sollte alles, was unsere Kinder machen, toll und außergewöhnlich sein. Ich gab ihr Recht. Mit Einschränkungen. „Irgendwann müssen wir ihn aber auf die Realität vorbereiten, sonst steht er in zwölf Jahren vor einer Jury im Fernsehen, jault einen nicht zu erkennenden Musiktitel in die blutenden Ohren des Publikums und antwortet auf die Frage, wer ihm bitteschön gesagt hätte, er könne singen, mit den Worte: „Mein Papa hat gesagt, ich kann das.“ Und dann bin ich der Buhmann. Die Antwort meiner Frau auf diesen Einwand erschreckte mich. „Schatz, wenn er 16 ist,

dann bist du sowieso der Buhmann. Also lass ihn singen.“